Fangen und Immobilisation

Immobilisation

Die Immobilisation darf nur nach entsprechender Ausbildung durchgeführt werden. Der Bundesverband österr. Wildhalter bietet dazu immer wieder entsprechende Kurse an wie den TGD-Arzneimittelanwenderkurs (- „Grundkurs“). Ebenso verweisen wir auf das ÖTGD-Programm zur Immobilisation beim Farmwild (siehe auch unter der Rubrik TGD).

Lesen SIe im folgenden Beitrag von Frau Dr. med.vet. Gabrielle Stalder und Frau Mag. med.ved. Johanna Painer PhD vom Forschungsinstitut für Wildtierkunde und Ökologie der Veterinärmedizinischen Universität Wien den Beitrag über zeitgemäße Immobilisation von Wilditeren.

Immobilisationen dürfen nur von qualifizierten und dafür zugelassenen Personen unter Beachtung der entsprechenden geltenden Gesetze durchgeführt werden:

Tierarzneimittelkontrollgesetz

Tierschutzgesetz

EU-Verordnung über pharmakologisch wirksame Stoffe und ihre Einstufung hinsichtlich der Rückstandshöchstmengen in Lebensmitteln tierischen Ursprungs

Waffengesetz

Immobilisationsarten

Die Wahl der richtigen Immobilisationsart sowie deren Vorbereitung und Durchführung sollten im Vorfeld durchdacht, an die Situation angepasst und sorgfältig geplant werden. Dadurch kann die Immobilisation bzw. Narkose von Wildtieren möglichst effektiv, sicher und tierschonend durchgeführt werden.

  • Training und Fangvorrichtungen

Zielgerichtetes Training, bzw. die Verwendung eines Zwangsstandes oder Fangvorrichtungen können ein Einfangen bzw. Handling der Tiere ohne Narkose ermöglichen. Dies kann nach erfolgreichem Training bzw. bei entsprechender Gewöhnung und ruhigem Umgang mit den Tieren eine effektive und stressreduzierte Alternative darstellen.

  • Distanznarkose

Die Distanznarkose bietet die Möglichkeit eine Narkose beim Wildtier möglichst effektiv und tierschutzgerecht zu verabreichen und durchzuführen. Dabei sind auf die richtige Applikation und insbesondere das richtige „Beschussgerät“, Art und Dosis der Anästhetika, Narkoseüberwachung (Monitoring) sowie die geeignete Narkoselagerung zu achten.

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Injektionsarten

Je nach Einsatz ist das passende Injektionssystem zu wählen:

Impfstab Blasrohr Kaltgas Pistole Kaltgas Gewehr
1-2 m 1-12 m bis max. ca. 25m bis max. ca. 60m
für Tiere, die in Treibgängen oder Transportkisten stehen besonders geeignet vielseitig einsetzbar vielseitig einsetzbar bei weiteren Entfernungen

+     eigenes Verletzungsrisiko wird im Vergleich zum „aus-der-Hand-spritzen“ deutlich minimiert

+     großes Volumen applizierbar

+   geringe Auftreffenergie

+   funktionszu-verlässig

+   lautlos

+   preisgünstig

+  einfache Bauweise

+  gutes Preis-Leistungs-Verhältnis

+  Druck entsprechend Distanz einstellbar

–      teurer

+ zuverlässig,

allerdings

Qualitätsunter-

schiede

+ Druck

entsprechend

Distanz

einstellbar

!       automatisch auslösende Modelle empfehlenswert     !      Meldung und Umgang entsprechend Waffengesetz)
Applikation von Narkosemittel erfolgt intramuskulär (nicht subkutan oder Fett) in eine große Muskelgruppe

 

Bei der Verwendung von Pistolen und Gewehren zur Immobilisation besteht bei unsachgemäßer Anwendung ein erhöhtes Verletzungsrisiko sowohl für Tier als auch Mensch. Um ein durch den Pfeil ausgelöstes Trauma zu verhindern, muss auf die korrekte Einstellung des Kaltgas-Drucks und geeignetes Equipment geachtet werden.

Die Bar-Anzahl ist abhängig von Pfeilgröße, Distanz zum Tier, Tiergröße, Lauflänge, Gewehrtyp und Umgebungsluftdruck.

Narkose-Spritzen-Pfeile

Die meisten handelsüblichen Pfeile bestehen aus einer Luft-, einer Medikamentenkammer, einem Stabilisator sowie einer Kanüle. Je nach Verwendungszweck unterscheiden sie sich jedoch im Detail durch die Art der Medikamentenentladung, dem Material, dem einfüllbarem Volumen (1-20 ml) und möglichen Aufsätzen (Kanüle, Stabilisator).

  • Blasrohrpfeile: durch feine Injektionskanüle wenig traumatisch
  • Druckluftpfeile: geeignet für die meisten mittelgroßen bis großen Tiere
  • Metallpfeile: können aufgrund ihres Entladungsmechanismus nur einmal verwendet werden
  • Spezial-Pfeile: z.B: Telemetrie-Pfeile, Hautbiopsie-Pfeile

 

Spritzen-Pfeile Entladung

Es gibt mehrere Systeme, wie die Spritzenpfeile entladen werden können. Gängig ist die Entladung per Druckluft, Feder oder Schwarzpulver Patronen mit Aufschlagzünder.

Druckluft-Pfeile werden manuell entsprechend dem Spritzenvolumen geladen.

Werden Druckluft-Pfeile mit zu viel Druck geladen, besteht die Möglichkeit, dass der Pfeil beim Auftreffen durch den Rückstoß abprallt oder dass Gewebeschäden auftreten. Dies kann weiters zur schlechteren Resorption des Narkosemittels im Gewebe (durch Hämatombildung) führen.

 

Pfeil-Kanülen

Spezielle Pfeil-Kanülen sind innen hohl und haben eine scharfe, verschlossene Spitze. Kurz vor dieser befindet sich eine Öffnung, aus der das Medikament dann seitlich abgegeben wird. Um vorzeitigen Austritt zu verhindern wird die Öffnung mit einer kleinen Silikonhülse verschlossen. Beim Eintritt der Kanüle durch die Haut in die Muskulatur, wird die Silikonhülse zurückgeschoben und gibt die Öffnung frei und das Medikament wird appliziert.

Zu beachten sind die an das entsprechende Tier angepasste richtige Länge, bzw. Dicke der Kanüle und die Anzahl der Öffnungen. Zudem kann sie glatt sein, ein Stufenraster oder Widerhaken haben.

 

Narkosemittel für lebensmittelliefernde Wildtiere

Bei der Verwendung von Narkosemittel sind die entsprechenden Richtlinien und Gesetze hinsichtlich Arzneimittelanwendung in lebensmittelliefernden Tieren zu beachten:

(z.B. Gesetzeslage zu Zulassung, Anwendung, Umwidmung, Wartezeiten, Rückständen etc. siehe Tierarzneimittelkontrollgesetz und EU-Verordnung über pharmakologisch wirksame Stoffe und ihre Einstufung hinsichtlich der Rückstandshöchstmengen in Lebensmitteln tierischen Ursprungs)

 

Narkose-Überwachung

Eine tierschutzkonforme und lege artis durchgeführte Narkose endet nicht mit der erfolgreichen Immobilisation. Neben der Narkose-Überwachung ist die Versorgung des Tieres mit Sauerstoff und die Zufuhr von zusätzlicher Flüssigkeit in Form einer Infusion wichtig.

Eine Narkose-Überwachung ist essentiell, um Veränderungen der physiologischen Parameter direkt feststellen und Aussagen über Narkosetiefe und -qualität treffen zu können. Neben klinischen Parametern gibt es heutzutage auch portable und im „Feld“ einfach einsetzbare Geräte (z.B. Pulsoxymeter), die eine umfangreichere Narkoseüberwachung ermöglichen.

Auch bei sorgfältiger Planung kann es zu unvorhergesehenen Zwischenfällen kommen. Daher empfiehlt es sich darauf vorzubereitet zu sein und Notwendiges griffbereit zu haben.

 

Fangen

Zum Fangen der Tiere sind entsprechende Fangvorrichtungen erforderlich. Jede Manipulation mit Wildtieren soll jedenfalls ruhig und ohne Stress erfolgen. Nur so können Verletzungen von Mensch und Tier vermieden werden. Sprechen Sie mit den Tieren mit ruhiger Stimme bei jedem Betreten des Geheges. Vermeiden Sie hastige und schnelle Bewegungen. Lassen Sie sich und den Tieren Zeit!

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Fangvorrichtungen sollen im gewohnten Bereich der Tiere installiert werden, z.B. im Unterstand mit Futterraufen. Wenn sich die Tiere im Unterstand befinden, kann z.B. die Zutrittstüre geschlossen werden. Je dunkler es ist, desto besser. Optimal ist die Verwendung von Schiebewänden, um den Platz der Tiere zu reduzieren. Damit wird ein Springen der Tiere (v.a. Damwild) verhindert. Hirsche mit Geweih sollen aus der Herde separiert werden – dies kann durch vertikale Gitter erfolgen, durch welches nur Tiere und Kälber gelangen. Aus der Gruppe der gefangenen Tiere können über kleinere Türen einzelne Tiere in einen Fang- und Behandlungsstand oder in einen Anhänger geleitet werden. Klicken Sie auf die Bilder, um sie in voller Größe zu sehen!